Von Maria Weininger 25. August 2025
Es ist der älteste Verein im Landkreis und er besitzt einen Sonderstatus: die Ebersberger königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft. Nun endet für sie in Ebersberg der Mietvertrag ihrer Schießstätte. Ersatz wurde nicht gefunden.
Die Suche nach einer neuen Schießstätte sei letztlich am Geld gescheitert, am Baurecht und am Platz, sagt der Ebersberger Peter Lill, seit 55 Jahren Mitglied bei den Feuerschützen. © STEFAN ROSSMANN Augustinerstr. 11 85560 Ebersberg stefanrossmann@me.com stefanrossmann.com
Ebersberg – Genau 590 Jahre ist es her, dass auf der Teilnehmerliste eines Armbrust-Landesschießens in der damaligen Residenzstadt Landshut ein Schütze der “Sebastiani-Schützengilde” aus Ebersberg genannt worden ist. Zum Verständnis: Der Märtyrer Sebastian ist seit Mitte des 14. Jahrhunderts Schutzpatron und gleichzeitig deutschlandweit Namensgeber für viele Schützengilden. Dass sich zu dieser Zeit bereits die Hirnschale des Heiligen Sebastian in der Ebersberger Wallfahrtskirche befunden hat, ist ein Zufall.
Verein mit königlichem Sonderstatus
Die Landshuter Aufzeichnung, die im bayerischen Staatsarchiv liegen soll, dürfte eine der ersten bekannten schriftlichen Erwähnungen der Ebersberger Schützengilde sein, aus der 1860 die hiesige Feuerschützengesellschaft hervorging. “Sie erhielt 1868 durch eine neue königliche Verordnung von König Ludwig II. von Bayern mit der Rechtsstellung ‚königlich privilegiert‘ einen Sonderstatus”, erzählt Peter Lill, ehemaliger Sportjournalist und langjähriger Schützenmeister bei den Königlich-Privilegierten. Er hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in die Geschichte seiner Schützengesellschaft vertieft und kann von Zeiten berichten, in denen Schießgesellschaften weniger sportliche, sondern größtenteils gesellschaftliche Bedeutung hatten. Etwa, wenn dem Schützenkönig als Preis ein Jahr Steuerfreiheit gewährt wurde. Ab 1900 konnte kein weiterer königlich privilegierter Verein mehr entstehen. Heute gibt es bayernweit noch 210 Schützenvereine mit diesem Status, gelistet sind sie im Bayerischen Innenministerium.
Centa Süß (95) hat die Vereinsgeschichte entscheidend geprägt: Sie war unter anderem Mitglied in der Frauennationalmannschaft. © Weininger
In den Jahren des Ersten Weltkriegs mussten 16 von 19 Mitgliedern der Königlich-Privilegierten an die Front, so kann man in der Ebersberger Chronik nachlesen. 1925 habe es einen Neubeginn und 1935 das 500-jährige Jubiläum gegeben, bevor mit Kriegsbeginn 1939 das Sportschießen auf die Scheibe erneut verboten wurde, erst von den Nationalsozialisten, später von den Siegermächten. Es dauerte 20 Jahre, bis sich die königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft erneut formieren konnte.
Erfolglose Suche nach neuer Schießstätte
Die Chronik der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft bildet noch andere Besonderheiten ab: “Prinz Albert von Bayern” sei ein gern gesehener Gast bei den “Privilegierten” gewesen und “Seine Königliche Hoheit Kronprinz Rupprecht” (zu diesem Zeitpunkt allerdings gar keine Königliche Hoheit mehr) habe Ehrenpreise übermittelt, so liest man. Zu erwähnen sind außerdem die Erfolge der Ebersbergerin, Centa Süß, denn sie hat die Vereinsgeschichte entscheidend geprägt: Sie war Mitglied in der Frauennationalmannschaft, hat mit dem Kleinkalibergewehr den Titel in der Deutschen Meisterschaft erzielt und 23-mal erfolgreich verteidigt, zudem hielt sie viele Jahre lang den Deutschen und Europäischen Rekord. Die bayerischen Siege habe sie aber nie gezählt, erzählt die rüstige 95-Jährige. Die lange Reihe von Medaillen in ihrem Regal aber zeigt: Es müssen sehr viele gewesen sein. Zuletzt habe sie bei einem internationalen Damenwettkampf die Goldmedaille gewonnen, sagt sie. “Eine Weltmeisterschaft für Damen gab es zu dieser Zeit noch nicht.” Nach ihren Vorstellungen habe eine Ebersberger Handschuhfabrik einen Lederhandschuh für Sportschützen gefertigt. Mit dem habe sie Konkurrenten aus dem Ausland beeindruckt und damit internationale Sportler ausgestattet.
Begleitet wurde die lange Vereinsgeschichte durch viele Umzüge der Schießstätte. Bei der Suche nach Schießstandorten musste man in der Vergangenheit durchaus kreativ sein. Man sei in der Sauschütt gewesen, in der Kiesgrube nahe der Laufinger Allee und man habe 1959 beim Neuwirt eine Tür ausgehängt und durch zwei Zimmer hindurch geschossen, um die notwendigen 10 Meter zu bekommen, erzählt Peter Lill. Am 31. August 2025 muss nun die Schützengemeinschaft nach 25 Jahren erneut den Standort räumen: das Schützenheim in einem Nebengebäude der Kugler Alm. Nach dem Ausbau in ehrenamtlicher Arbeit durch Vereinsmitglieder 2000 habe man die Schießstätte von den Wirtsleuten der Kugler Alm mietfrei erhalten. “Darüber sind wir sehr dankbar”, sagt Peter Lill. Die neu anberaumte Miete von etwas mehr als 1000 Euro könne durch den Verein aber nicht mehr gestemmt werden, der Vertrag sei darum einvernehmlich nicht mehr verlängert worden. “Der Verein besteht aber weiter, ab sofort wird bei den Seeschützen in Gsprait geschossen, die den Königlich-Privilegierten ein Gastrecht eingeräumt haben.”
Fünf Jahre lang von Pontius zu Pilatus
Peter Lill bedauert, dass seine Suche nach einem neuen Schießstandort nicht erfolgreich gewesen sei. “Ich bin fünf Jahre von Pontius zu Pilatus gerannt”, sagt er. Es sei letztlich am Geld gescheitert, am Baurecht und am Platz, denn acht Schießplätze, inklusive Büro und Umkleide seien nicht so einfach aufzutreiben. Lange habe man auf eine große Halle im Waldsportpark gehofft: Ein Zehn-Millionen-Projekt, das vom TSV angestoßen worden sei, könne aber durch die Stadt nicht gestemmt werden. Und so muss sich die königlich-privilegierte Feuerschützengesellschaft von vielen Dingen trennen, die eine unvergleichliche Geschichte dokumentieren. Immerhin, die bedeutsameren Schießscheiben aus mehr als 100 Jahren und die 150 Jahre alte Seidenfahne bleiben der Nachwelt erhalten. Sie wandern ins Stadtarchiv.
Quelle: Merkur.de